Kulturtipp: Ausflug ins alte China

9. Mai 2006 von stylist  
Kategorie Kultur & Zeitgeist

Die Bundeskunsthalle in Bonn zeigt Abgesandte des Jenseits: bis 23. Juli sind Grabfunde und Tempelschätze aus Chinas alter Hauptstadt Xi’An zu sehen. Schon am Eingang zur Ausstellung verneigt sich ein tönerner Schreiber des Kaisers vor dem Besucher. Seine Hände sind von den langen Ärmeln des Gewandes bedeckt – ein Zeichen der Demut. Demut und ein starker Rücken wird auch vom Besucher der Ausstellung verlangt. Die Vitrinen mit den 200 Exponaten sind halbhoch, die Tafeln daneben mit den Erklärungen nur schwer lesbar. So krieche ich durch diese wunderbare Ausstellung und staune über die Pracht und Herrlichkeit, die die verstorbenen Herrscher mit ins Grab nahmen. Besonders der erste Kaiser Qin Shihuangdi (aus der Qin-Dynastie, 221 – 206 v. Chr.) wollte auf keinen Fall allein die Reise in die Ewigkeit antreten. So nahm er eine ganze Armee, Schreiber, Diener und zum Zeitvertreib Akrobaten und Musiker mit – sie alle sind überlebensgroß aus Ton gefertigt.

Jeder von ihnen hat individuelle Gesichtszüge. Haar, Schmuck, Kleidung – alles ist genau erkennbar. Einzig die Gegenstände – meist waren sie aus Holz – die sie früher in ihren Händen gehalten haben, sind heute verschwunden. So stehen die Figuren vor mir mit erhobenen Händen, in der Bewegung erstarrt und manchmal ist nicht mehr erkennbar, ob die tönerne Hand eine Laute zupfte oder eine Axt schwang. So bleibt mir vieles jener vergangenen Kultur ein Rätsel. Zum Beispiel der Umstand, dass die verstorbenen Kaiser so viele ihrer Untertanen zwangen, mit ihnen in den Tod zu gehen. Schon bald nach der Thronbesteigung begannen die Herrscher mit den Vorbereitungen ihres Begräbnisses. Der Aufwand war groß. Und nachdem endlich alle Figuren in Modeln gepresst, anschließend mit Details von Hand verziert, getrocknet und bemalt waren, schleppten die Untertanen alles ins Grab. Damit keiner von ihnen auf die Idee kam, später das verschlossene Grab auszurauben, wurden die Türen zu den Anlagen von außen vor ihnen verschlossen. Die Verstorbenen waren somit Herrscher über Leben und Tod ihrer Untertanen. Nur Gold und Edelsteine durfte auch kein Kaiser oder Adlige mit ins Totenreich nehmen. Das Verwenden von wertvollen Materialien für Grabbeigaben war verboten, echter Schmuck war allein den Lebenden vorbehalten.
Kleine und sehr feine Ausstellung: Bundeskunsthalle Bonn Xi’an – Kaiserliche Macht im Jenseits – Grabfunde und Tempelschätze aus Chinas alter Hauptstadt, bis 23. Juli 2006
Weitere Infos unter www.kah-bonn.de

Bild: © by Peter Bargmann / Pixelio

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