Wer ist die schönste?

Gestern ist Heidi Klums neue Show im Fernsehen gestartet: „Germany’s Next Topmodel”. Die Sendung folgt dem bewährten Rausschmeiß-Prinzip. Aus immerhin 11 637 Frauen wählte der Sender 32 Bewerberinnen. Nur eine von ihnen wird schließlich übrig bleiben, ihr winken Fotoshooting und Agenturvertrag. Schon zwanzig Mädchen mussten in der ersten Folge gehen. „Du bist zu fett”, sagte einer der coolen Typen aus der Jury zu einer Blondine. Ich rieb mir ungläubig die Augen. Wie bitte? Da stehen sie, alle wunderschön und gertenschlank und der Idiot behauptet, ein Fettpölsterchen gesichtet zu haben? Uncoole wie mich verwirrt so etwas.

Dank dieser Show habe ich also gelernt, dass ich nur die Hälfte von dem haben sollte, was ich tatsächlich habe: Fett, Oberweite und Grips. Denn keines der Mädchen erzählte wirklich viel von sich. Keine Ahnung, ob unter ihnen zukünftige Anwärterinnen auf den Physiknobelpreis sind. Ob sie sich für die Bekämpfung von Legasthenie und für den Welfrieden einsetzen, bleibt ein Geheimnis. Höhepunkt der Show ist Heidis Enthüllung darüber, wer die nächste Runde erreicht hat. Das, was sich dort abspielt, haben wir schon so oft gesehen: Gesichter in Großaufnahme, Hände, die sich inneinander klammern. Name für Name fällt und die Gruppe wird kleiner. Große blaue, güne oder braune Augen füllen sich bis zum Rand mit Tränen. Und weil die Chance auf das Weiterkommen kleiner wird, tropfen die Tränen schließlich über die Wimpern und laufen als kleines Rinnsal über perfekte Gesichter, vorbei an perfekten Nasen und Mündern.
Die zwölf Mädchen, die das Drama überstanden haben und nun in der nächsten Runde sind, dürfen mit Heidi nach New York fliegen. Und weil ich als Uncoole noch nie in New York gewesen bin, werde ich bei der nächsten Folge wieder an der Mattscheibe kleben. Ich werde beobachten, wie eine wunderschöne Frau nach der anderen gehen muss, weil sie als „Germany’s Top Model” nichts taugt. Dann werde ich mich fragen, wie frau jemals diesen Schönheitsanforderungen gerecht werden soll und wenn ich nicht so uncool wäre, würde ich an Bulimie erkranken oder an meinem Körper rumschnippeln, weil er so hässlich ist.

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